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Diözesan-Caritasverband Münster, 24.04.2012

Caritas: Praxisgebühr sofort abschaffen

Hohe Hürde für arme Menschen/Staatssekretärin Bredehorst: Gesundheits- und Sozialsystem sind "Parallelgesellschaften"

Diözese Münster (cpm). Die Praxisgebühr muss nach Ansicht der Caritas in der Diözese Münster abgeschafft werden. Sie habe ihren Zweck verfehlt und halte nur Menschen in Armut von notwendigen Arztbesuchen ab. "Wie soll das passen, wenn es für vier Quartale nur 30 Euro gibt?", fragte Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann auf einer Diskussionsveranstaltung zum Caritas-Jahresthema "Armut macht krank" am Montagabend in Münster. Auch für die künftige Landesregierung sah Kessmann Aufgaben, die kurzfristig anzupacken seien.

Einig war Kessmann sich mit Staatssekretärin Marlis Bredehorst aus dem NRW-Gesundheitsministerium, dass vor allem die Zusammenarbeit der Hilfesysteme gestärkt werden müsse, wenn man Vorbeugung ernst nehmen wolle. Bredehorst sieht "die eigentlichen Parallelgesellschaften" bislang im Gesundheits- und Sozialsystem. Um die Verzahnung zu erreichen, müssten die Kommunen gestärkt werden, um ihre vornehmliche Aufgabe der "Daseinsvorsorge" weiterhin wahrnehmen zu können. Der jetzt beschlossene Stärkungspakt reicht nach Ansicht von Kessmann dazu nicht aus.

Eindeutig und erschreckend ist der Zusammenhang zwischen Krankheit und Armut. Auch da waren sich die Vertreter der Caritas und Landesregierung in Vorträgen und Podiumsdiskussion einig: Die Lebenserwartung von Männern liegt um elf Jahre niedriger, Wohnungslose sterben im Durchschnitt 30 Jahre früher. Meist beginnt das Problem in der Kindheit und setzt sich über Generationen fort.

Kindertagesstätten und die Offene Ganztagsgrundschule bieten nach Ansicht der Caritas nicht ausreichend genutzte Chancen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Sie müssten mit sozialen Hilfen vernetzt werden. In der Unterstützung der Familien sieht Kessmann die Sozialreformen der vergangenen Jahre als gescheitert an. Zu einseitig sei es dabei um das "Fordern" und rein existenzsichernde Regelsätze gegangen. Übersehen worden sei dabei, dass es für das versprochene "Fördern" Menschen gebraucht würden, die den Familien zur Seite ständen. 

Der Staat habe sich immer weiter zurückgezogen, kritisierte Kessmann. Tafeln, Suppenküchen oder auch die Migrantenmedizin des Malteser Hilfsdienstes in Münster bis hin zur Kinderschutzambulanz der Caritas-Kinder- und Jugendklinik in Datteln würden ehrenamtlich und auf Spendenbasis arbeiten. "Soziale Gerechtigkeit und die Sicherung einer menschenwürdigen Existenz ist und bleibt aber die erste und wichtigste Verpflichtung des Sozialstaates," betonte Kessmann.

043-2012          24. April 2012

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