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Stand: 28.01.2016

Selbst erlebt

Angehörige von Süchtigen

„Ich habe gelernt, für mich Sorge zu tragen“

Ältere Frau im PorträtSich selbst wichtig nehmen: Ein wichtiger Schritt auf dem Weg aus der Co-Abhängigkeit.KNA / Oppitz

"Die Flasche steht oft zwischen uns", sagt Susanne H. ganz sachlich, wenn sie über die Alkoholkrankheit ihres Freundes spricht. "Ich verstehe seinen Druck trinken zu müssen nicht und habe dieses Teufelszeug schon oft verflucht." Mittlerweile hat sie gelernt, mit ihrer Wut, ihrer Enttäuschung, ihrer Hilflosigkeit zu leben. "Ich weiß, ich kann seine Abstürze nicht verhindern, und ich kann ihn auch nicht retten. Ich kann nur gut für mich sorgen, um nicht auf der Strecke zu bleiben."

Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich

Was sich im ersten Moment herzlos anhört, ist eine wichtige Erkenntnis für Angehörige, Freunde oder Arbeitskollegen von Suchtkranken: Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich. Fast alle abhängigen Menschen können ihre Sucht lange Zeit verbergen, weil es in ihrer Umgebung Menschen gibt, die - in bester Absicht - versuchen zu helfen. Sie gießen Alkohol ins Waschbecken, verstecken Tabletten, erfinden Ausreden, erledigen Pflichten, bügeln Fehler aus, sperren Konten, regeln Behördengänge.

Vertuschen hilft niemand

"Ich habe das Alkoholproblem meines Freundes lange kaschiert und ihn geschützt. Aus Angst und Scham habe ich solange versucht, das Problem schön zu reden, bis ich selbst nicht mehr konnte und am Ende war. Über Freunde habe ich von der Caritas-Beratungsstelle erfahren und die erste Zeit in der Angehörigengruppe habe ich immer gedacht, dass ich hier nicht hin gehöre. Aber genau hier versteht man meine Gefühle, meine Unsicherheit, meine Sorgen. Alle kennen die Höhen und Tiefen im Leben mit Abhängigen und ich weiß nun, dass ich nicht alleine damit bin. Niemand wird verurteilt, aber man bekommt Feedback und ehrliches Verständnis."

Isolation und Überforderung vermeiden

Lebens- oder Ehepartner, Eltern, Geschwister, Kinder oder Freunde von Suchtkranken tun sich meist schwer zu erkennen, dass ihre Unterstützung die Sucht stabilisiert. Erst wenn sie ihre Hilfe entziehen, sind Suchtkranke gezwungen, die Folgen ihres Verhaltens selbst zu tragen. "Allein die Tatsache, dass ich regelmäßig in die Gruppe ging und etwas für mich getan habe, hat meinen Freund verunsichert und bei ihm eine Auseinandersetzung mit seiner Sucht in Gang gesetzt. Durch Vorhaltungen oder Streit hatte ich das vorher nicht erreicht." Angehörigengruppen sind ein Forum um sich auszutauschen, Isolation und Überforderung zu vermeiden, die eigenen Handlungsspielräume zu erweitern, aber auch individuelle Grenzen auszuloten. Oder wie Susanne H. es ausdrückt: "Ich habe keine Angst vor der Zukunft, denn ich habe gelernt, für mich Sorge zu tragen."

Links

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Sucht bei Freunden und Kollegen

Veröffentlichung 2019

Gemeinsam Heimat sein

Der Zusammenhang zwischen Migration und Entwicklung am Beispiel Deutschlands.

München, 13.05.2019. Migration und Entwicklung sind zwei Begriffe, die populärer nicht sein könnten. Dass es eine Beziehung zwischen den beiden Prozessen gibt, ist inzwischen ein gängiges Thema in der Diskussion unter Forschern, Politikern und Praktikern. Dennoch ist es recht schwierig nachzuvollziehen, wie sie sich gegenseitig beeinflussen.

Dem Landes-Caritasverband Bayern ist es, im Rahmen des EU-Projekts MIND, gelungen einen wissenschaftlichen Beitrag zu dieser Thematik zu leisten. Gemeinsam mit Dr. Annett Fleischer, Caritas Europa und Global Migration Policy Associates, ist die Publikation "Das gemeinsame Zuhause" in der Edition Common Home für Deutschland entstanden. Anhand der Quellen und durch eine Vielzahl an Interviews mit Praktikerinnen und Praktikern aus diesen Bereichen, will die Studie eine Grundlage schaffen, um das öffentliche Verständnis für den Zusammenhang zwischen universeller nachhaltiger Entwicklung und Migration in Deutschland und in ausgewählten Entwicklungsländern zu verbessern. Des Weiteren werden deutsche Beiträge zur Entwicklungszusammenarbeit und das verstärkte Engagement von Regierungsbehörden aller Ebenen, zivilgesellschaftlichen Organisationen (CSOs), Einzelpersonen und anderen Akteuren bei der Bewältigung von Ursachen und Faktoren der Migration erläutert. Und schließlich rückt sie Migranten und Flüchtlinge als wichtige Entwicklungsakteure in den Vordergrund. Dabei geht es nicht nur um Zahlen, Daten und Fakten, sondern auch welche Hürden, Chancen und Möglichkeiten sich Migranten in Deutschland stellen müssen. Die Publikation schließt mit Empfehlungen, um Themen mit Migrationsbezug zukünftig erfolgreich zu gestalten:

  1. Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit verhindern!

  2. Gewährleistung des Schutzes aller Migranten und Flüchtlinge durch die Menschenrechte.

  3. Anwendung und Durchsetzung des Arbeitsrechts, der Normen für menschenwürdige Arbeit sowie des Arbeits- und Gesundheitsschutzes für alle Migranten.

  4. Ersetzung des negativen Diskurses durch eine zutreffende und positive Erzählung über Migration.

  5. Ausbau sicherer und legaler Wege der Migration.

  6. Verstärktes Engagement der Städte und lokalen Akteure bei der Integration.

  7. Stärkung und Ermöglichung der Teilnahme von Migranten und Flüchtlingen in der lokalen Gemeinschaft und Städten sowie am politischen Dialog.

  8. Bewältigung der Fluchtursachen.

  9. Verbesserung der Datenerhebung und Wissensbestände zur Stärkung des Zusammenhangs zwischen Migration und Entwicklung.

  10. Stärkung des deutschen Engagements für die regionale, nationale und ganzheitliche menschliche Entwicklung im Ausland.

Neben der deutschen Veröffentlichung werden auch die MIND Partnerländer (Österreich, Belgien, Bulgarien, Tschechien, Italien, Holland, Portugal, Slowakei Slowenien und Schweden) eine Publikation in der Edition Common Home veröffentlichen. Das Gelingen dieses Projekts ist ein gutes Beispiel für europäische Zusammenarbeit. Im Rahmen des MIND-Projekts hoffen wir, dass wir durch die europäischen Publikationen und den verschiedenen landesspezifischen Facetten wichtige Akzente zu den zukunftsweisenden Themen Migration und Entwicklung setzen können.

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Gemeinsam Heimat sein

Building the Common Home

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