URL: www.caritas-bayern.de/beitraege/ich-habe-gelernt-fuer-mich-sorge-zu-tragen/63556/
Stand: 28.01.2016

Selbst erlebt

Angehörige von Süchtigen

„Ich habe gelernt, für mich Sorge zu tragen“

Ältere Dame Sich selbst wichtignehmen: Ein wichtiger Schritt auf dem Weg aus der Co-Abhängigkeit Fotolia

"Die Flasche steht oft zwischen uns", sagt Susanne H. ganz sachlich, wenn sie über die Alkoholkrankheit ihres Freundes spricht. "Ich verstehe seinen Druck trinken zu müssen nicht und habe dieses Teufelszeug schon oft verflucht." Mittlerweile hat sie gelernt, mit ihrer Wut, ihrer Enttäuschung, ihrer Hilflosigkeit zu leben. "Ich weiß, ich kann seine Abstürze nicht verhindern, und ich kann ihn auch nicht retten. Ich kann nur gut für mich sorgen, um nicht auf der Strecke zu bleiben."

Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich

Was sich im ersten Moment herzlos anhört, ist eine wichtige Erkenntnis für Angehörige, Freunde oder Arbeitskollegen von Suchtkranken: Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich. Fast alle abhängigen Menschen können ihre Sucht lange Zeit verbergen, weil es in ihrer Umgebung Menschen gibt, die - in bester Absicht - versuchen zu helfen. Sie gießen Alkohol ins Waschbecken, verstecken Tabletten, erfinden Ausreden, erledigen Pflichten, bügeln Fehler aus, sperren Konten, regeln Behördengänge.

Vertuschen hilft niemand

"Ich habe das Alkoholproblem meines Freundes lange kaschiert und ihn geschützt. Aus Angst und Scham habe ich solange versucht, das Problem schön zu reden, bis ich selbst nicht mehr konnte und am Ende war. Über Freunde habe ich von der Caritas-Beratungsstelle erfahren und die erste Zeit in der Angehörigengruppe habe ich immer gedacht, dass ich hier nicht hin gehöre. Aber genau hier versteht man meine Gefühle, meine Unsicherheit, meine Sorgen. Alle kennen die Höhen und Tiefen im Leben mit Abhängigen und ich weiß nun, dass ich nicht alleine damit bin. Niemand wird verurteilt, aber man bekommt Feedback und ehrliches Verständnis."

Isolation und Überforderung vermeiden

Lebens- oder Ehepartner, Eltern, Geschwister, Kinder oder Freunde von Suchtkranken tun sich meist schwer zu erkennen, dass ihre Unterstützung die Sucht stabilisiert. Erst wenn sie ihre Hilfe entziehen, sind Suchtkranke gezwungen, die Folgen ihres Verhaltens selbst zu tragen. "Allein die Tatsache, dass ich regelmäßig in die Gruppe ging und etwas für mich getan habe, hat meinen Freund verunsichert und bei ihm eine Auseinandersetzung mit seiner Sucht in Gang gesetzt. Durch Vorhaltungen oder Streit hatte ich das vorher nicht erreicht." Angehörigengruppen sind ein Forum um sich auszutauschen, Isolation und Überforderung zu vermeiden, die eigenen Handlungsspielräume zu erweitern, aber auch individuelle Grenzen auszuloten. Oder wie Susanne H. es ausdrückt: "Ich habe keine Angst vor der Zukunft, denn ich habe gelernt, für mich Sorge zu tragen."

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Mein Traummann trinkt

Ich, er und der Alkohol

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Was sich im ersten Moment herzlos anhört, ist eine wichtige Erkenntnis für Angehörige, Freunde oder Arbeitskollegen von Suchtkranken: Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich. Fast alle abhängigen Menschen können ihre Sucht lange Zeit verbergen, weil es in ihrer Umgebung Menschen gibt, die - in bester Absicht - versuchen zu helfen. Sie gießen Alkohol ins Waschbecken, verstecken Tabletten, erfinden Ausreden, erledigen Pflichten, bügeln Fehler aus, sperren Konten, regeln Behördengänge.

Vertuschen hilft niemand

"Ich habe das Alkoholproblem meines Freundes lange kaschiert und ihn geschützt. Aus Angst und Scham habe ich solange versucht, das Problem schön zu reden, bis ich selbst nicht mehr konnte und am Ende war. Über Freunde habe ich von der Caritas-Beratungsstelle erfahren und die erste Zeit in der Angehörigengruppe habe ich immer gedacht, dass ich hier nicht hin gehöre. Aber genau hier versteht man meine Gefühle, meine Unsicherheit, meine Sorgen. Alle kennen die Höhen und Tiefen im Leben mit Abhängigen und ich weiß nun, dass ich nicht alleine damit bin. Niemand wird verurteilt, aber man bekommt Feedback und ehrliches Verständnis."

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Lebens- oder Ehepartner, Eltern, Geschwister, Kinder oder Freunde von Suchtkranken tun sich meist schwer zu erkennen, dass ihre Unterstützung die Sucht stabilisiert. Erst wenn sie ihre Hilfe entziehen, sind Suchtkranke gezwungen, die Folgen ihres Verhaltens selbst zu tragen. "Allein die Tatsache, dass ich regelmäßig in die Gruppe ging und etwas für mich getan habe, hat meinen Freund verunsichert und bei ihm eine Auseinandersetzung mit seiner Sucht in Gang gesetzt. Durch Vorhaltungen oder Streit hatte ich das vorher nicht erreicht." Angehörigengruppen sind ein Forum um sich auszutauschen, Isolation und Überforderung zu vermeiden, die eigenen Handlungsspielräume zu erweitern, aber auch individuelle Grenzen auszuloten. Oder wie Susanne H. es ausdrückt: "Ich habe keine Angst vor der Zukunft, denn ich habe gelernt, für mich Sorge zu tragen."

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