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Stand: 28.01.2016

Frühförderung und Förderschulen

Ins Leben begleiten, Kompetenzen fördern 

 Frühförderung und die Bildung an Förderschulen sind wichtige Grundlagen, um auch Kindern und jungen Leuten mit besonderem Förderbedarf die Möglichkeit zur optimalen Entwicklung, orientiert an ihren Kompetenzen, zu ermöglichen.

Frühförderung

Frühförderstellen gehören zu den wichtigsten Anlaufstellen im frühen Kindesalter

Die Frühförderung ist ein offenes Beratungs- und Hilfeangebot für Eltern, wenn diese sich hinsichtlich der Entwicklung ihres Kindes Sorgen machen oder wenn eine Entwicklungsbeeinträchtigung oder Behinderung des Kindes droht oder vorliegt. Insbesondere will die Frühförderung also dann helfen, wenn Kinder hinsichtlich ihrer körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung Unterstützung benötigen. Frühförderung in Anspruch nehmen können Eltern mit Kindern vom Säuglingsalter bis zum Schuleintritt.

Die interdisziplinär arbeitenden Frühförderstellen bieten medizinische, psychologische, pädagogische und soziale Hilfen im Rahmen eines ganzheitlichen Hilfekonzepts (Komplexleistung), in das die Familie mit einbezogen wird.

Eine Erstberatung ist für die Familien stets kostenlos. Sollte ein Förderbedarf bestehen, werden die weiteren Kosten für Diagnostik, Förderung, Behandlung und Elternberatung in der Regel von der Krankenkasse bzw.dem zuständigen Träger der Eingliederungshilfe übernommen.

Förderschulen

Zum Förderschulbereich gehören Sonderpädagogische Förderzentren, Schulen zur Sprachförderung, Schulen zur sozial-emotionalen Entwicklung, Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung und Schulen für Kranke. An einigen Förderschulen sind darüber hinaus schulvorbereitende Einrichtungen (SVE) und Tagesstätten eingerichtet. Die Caritas-Förderschulen bieten differenzierte, individuell angepasste und ganzheitliche Förderung.

Berufliche Ausbildung gilt als die beste, wenn nicht einzige "Eintrittskarte" in unsere Gesellschaft. Durch Berufsvorbereitung, ausbildungsbegleitende Hilfen in überbetrieblichen Ausbildungsstätten und im Berufsbildungswerk qualifiziert die Caritas benachteiligte Jugendliche fachlich und persönlich für den Arbeitsmarkt und eröffnet so Zukunftschancen.

Im Porträt

Individuelle Hilfe

Selbstbestimmt leben mit Persönlicher Assistenz

Eine Frau hilft einer Frau mit Behinderung beim Essen.Verena Wiedmann ist der Meinung, dass es einfacher ist, sich früh aus der Familie zu lösen: „Irgendwann können die Eltern ihr Kind nicht mehr pflegen“.Ulrike Seifart

Wer Verena Wiedmann (41) und Eva Schöllhorn (33) zusammen erlebt, sieht ein eingespieltes Team. Einen Blick, eine knappe Aufforderung, ein Wortspiel, das nur die beiden verstehen. Jeder Handgriff von Eva Schöllhorn sitzt, und viele der Tätigkeiten, die sie für Verena Wiedmann ausübt, bleiben unkommentiert. Sie zieht ihr die Schuhe an und schnürt sie zu, richtet den Rollstuhl aus, führt den Löffel zum Mund und legt die Hände in eine bequemere Lage. Verena Wiedmann leidet unter Muskeldystrophie, kann Arme und Beine nicht bewegen, sitzt im Rollstuhl und wird beatmet. Eva Schöllhörn ist seit drei Jahren als Persönliche Assistenz bei ihr angestellt.

"An meinem Leben ist nichts Besonderes"

Insgesamt neun Assistenten, acht Frauen und ein Mann, begleiten die schwerbehinderte Frau durch den Alltag in ihrer Zweizimmerwohnung in Eppelheim bei Heidelberg. In Schichten wird sie rund um die Uhr betreut und unterstützt beim Aufstehen, Essen, Arbeiten, Haushalterledigen, Einkaufen, Freizeitgestalten, Schlafengehen. "Mein Leben unterscheidet sich nicht so sehr von dem eines Nichtbehinderten", fasst Verena Wiedmann zusammen. "Viele meinen, bei mir müsse etwas speziell sein. Ich wüsste nicht, was an meinem Leben besonders ist."

Das Besondere mag für Außenstehende die Überlegung sein, wie sie ihren Alltag mit den körperlichen Einschränkungen bewältigt. In der Praxis sieht das so aus, dass Verena Wiedmann ihrer Assistenz genaue Anweisungen gibt. Sie ruft, wenn sie Durst hat oder im Rollstuhl aufgerichtet werden möchte, bestimmt, wie groß das Gemüse geschnitten und wann im Topf gerührt werden soll.

Sie weiß, was sie will oder was sie eben nicht will. Für die Assistenz bedeutet das mitunter, ein dickes Fell mitzubringen. "Niemand ist immer gut drauf, und man darf nicht alles persönlich nehmen", sagt Assistentin Eva Schöllhorn, die auch schon ihre Erfahrungen mit den Stimmungsschwankungen ihrer Chefin gemacht hat. "Am Anfang war ich immer hinter ihr her und wollte sie bemuttern. Einmal habe ich sogar für sie gesprochen, da war sie dann richtiggehend pikiert", erinnert sie sich lachend.

Selbstständigkeit als Selbstverständnis

Seitenansicht einer Frau mit AtemmaskeDass ihre Familie weiter entfernt wohnt, findet Wiedmann gut. „Hier redet mir keiner rein oder guckt spontan vorbei“, meint sie schmunzelnd.Ulrike Seifart

Für die studierte Biologin Wiedmann, die mehr als acht Jahre als Naturwissenschaftlerin am Paul-Ehrlich-Institut tätig war, ist Selbstständigkeit ein hohes Gut. Bereits als junges Mädchen war ihr klar, dass sie früh aus dem Elternhaus raus möchte. Gleich nach dem Abitur an der SRH Stephen-Hawking-Schule in Neckargemünd suchte sie eine Wohnung und wurde in Eppelheim fündig. Seither lebt sie mit der Persönlichen Assistenz.

Eine gemeinsame Wellenlänge zu haben, das sei ein Optimum, aber nicht immer gegeben. Nicht jede Assistenz eigne sich für alle Unternehmungen, sagt Wiedmann und spielt damit vor allem auf ihre Interessen an. Regelmäßig geht sie auf Konzerte, trifft Freunde, ist Gasthörerin an Vorlesungen oder besucht Kochkurse. Und sie engagiert sich für die Belange von Menschen mit Behinderung. Mit Eva Schöllhorn an der Seite war sie auf Demos und Flashmobs zum Bundesteilhabegesetz. "Wir haben dafür gekämpft, dass es ein gutes Gesetz wird", sagt sie mit Nachdruck. Dass beispielsweise die Assistenz als Sozialleistung unabhängig vom Einkommen des Menschen mit Behinderung geleistet wird und dadurch behinderte Arbeitnehmer den nichtbehinderten gleichgestellt werden. Noch konnte den Wünschen nicht vollumfänglich entsprochen werden, doch Wiedmann ist optimistisch und macht weiter. Sie arbeitet ehrenamtlich im Vorstand des Vereins "Individualhilfe für Schwerbehinderte" in Heidelberg und übernimmt einen Teil der Öffentlichkeitsarbeit. Den Menschen zu zeigen, dass eine Persönliche Assistenz eine Alternative zu Familie und Wohnheim darstellt, ist ihr ein großes Anliegen. "Die Assistenz ermöglicht mir, mein Leben selbst zu gestalten", so ihr Resümee.

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