Referat

Behindertenhilfe

Erwachsene Menschen mit Behinderung

Inklusion als gleichberechtigtes Miteinander umfasst alle Formen des sozialen Lebens und der beruflichen Teilhabe. Gerade weil die Caritas als Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche an der Gestaltung des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens mitwirkt, kommt ihr bei dem Prozess der Gestaltung einer inklusiven Gesellschaft eine besondere Verantwortung zu. 

Die Akzeptanz der Verschiedenheit der Menschen ist ein Grundprinzip der Caritas. Um Wunsch- und Wahlmöglichkeiten zu schaffen, die Voraussetzung selbstbestimmter Teilhabe sind, schafft die Caritas Angebote und Dienstleistungen, die Menschen mit Beeinträchtigungen die Freiheiten ermöglichen. 
Es bedarf eines Nachteilsausgleichs, um wirksam zu werden und zur Schaffung gleicher Startchancen beizutragen. Und es bedarf des Abbaus von Barrieren: in den Köpfen der Gesellschaft, bei der Mobilität, beim Wohnen, bei der Bildung, bei der Arbeit, bei der Gesundheitsversorgung und Pflege, in der Freizeit, bei der Kultur, bei der Benutzerfreundlichkeit, bei der Kommunikation und der Gestaltung von Informationen.

Gleichzeitig ist die Caritas mit ihren vielfältigen Angeboten Teil des Sozialraums und der Bürgergesellschaft - und Menschen mit Behinderung sind Bürger der Gemeinde. Die Gemeinde ist zuständig für alle ihre Bürger. Sie hat die Rahmenbedingungen für eine rechtliche und soziale Teilhabe zu schaffen. Für sie politisch und anwaltschaftlich auf allen Ebenen einzutreten ist eine der Aufgaben der Caritas in Bayern. Deshalb mischt sich die Caritas aktiv in die politische Diskussion zu Fragen des Wohnraumes und der Gestaltung des Gemeinwesens ein und unterstützt Menschen mit Behinderung bei deren Willensbildung und mit ihren vielfältigen Unterstützungsdienstleitungen in ihrer Alltagsgestaltung. 
Das Referat Behindertenhilfe im Landes-Caritasverband verhandelt für die Träger von Einrichtungen und Diensten unter dem Dach der Caritas mit der Politik und den Kostenträgern in Bayern die Rahmenbedingungen für die Leistungen, deren Qualität und die Vergütungen. Zudem fungiert es als Plattform, die Informationen bündelt und koordiniert und zwischen den Diözesan-Caritasverbänden, der der Landesarbeitsgemeinschaft der Träger und Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Psychiatrie innerhalb des Landes-Caritasverbandes Bayern (LAG CBP Bayern), der Bundesebene sowie den fachlichen Gremien der Freien Wohlfahrtsebene Bayern vernetzt.

In dieser Funktion stehen die Referentinnen und Referenten des Landes-Caritasverbands in engem Kontakt mit den Diözesan-Caritasverbänden und der LAG CBP Bayern und wirkt so meinungsbildend. Aus diesem faBesochlichen Austausch entstehen Stellungnahmen zu bayerischen Gesetzesvorhaben sowie fachliche Positionen zu fachpolitischen Fragestellungen.

 

 

50 Jahre Aktion Mensch

Gemeinsam wohnen

Auf dem Weg zur gelebten Inklusion

Drei Frauen mit Behinderung beim Abendbrot am Tisch.Szene beim Abendbrot: Kleine, individuelle Wohnformen sind für Menschen mit Behinderung die Voraussetzung für eine selbstbestimmte Lebensführung.Thilo Schmülgen, Aktion Mensch

Klaus-Peter Bomba kommt spät nach Hause. Er hat ja einen eigenen Schlüssel, wie alle hier im Haus. Die elf Bewohner leben seit der Eröffnung zu Ostern 2013 hier in Zweier-Appartements oder auch ganz alleine. Alle haben eine geistige Behinderung. Die meisten wohnten früher im großen Christophorus-Haus, mit insgesamt fast 50 Menschen, weit außerhalb der Stadt. "Hier ist es viel besser!", ruft Nicole Sieren über den Kaffeetisch in der Gemeinschaftsküche, und alle anderen nicken. Im Jahr 2012 kam ihre große Chance. Der Caritasverband Warendorf, auch Träger des Christophorus-Hauses, plante im Zuge der Umwandlung von Großeinrichtungen in kleinere Wohnprojekte ein neues Haus in Ennigerloh, mitten im Ort. Ein Haus mit Backsteinfassade, das sich in die Nachbarschaft einfügt, in dem auch drei Familien wohnen könnten. Der Marktplatz ist nicht weit, Supermarkt und Bäcker liegen um die Ecke, die Straße ist gediegen und ruhig. Das große Christophorus-Haus wird nach und nach verkleinert.

Mehr Selbstbestimmung statt Fürsorge

"Wir wollen dem betreuten Wohnen so nahe wie möglich kommen", sagt Manfred Lensing-Holtkamp, der die neue Einrichtung leitet. Das gesamte Haus und fünf der Zimmer sind rollstuhlgerecht. Die Appartements für je ein bis zwei Personen sind über drei Etagen verteilt und mit eigenen Küchen ausgestattet. Die Bewohner können von hier aus zu Fuß einkaufen gehen, und es ist einfacher geworden, Besuche zu empfangen. Nicole Sierens Freund kommt immer am Wochenende. Auch Kontakte zu möglichen Arbeitgebern lassen sich leichter knüpfen. Michael Niehues zum Beispiel konnte ein Praktikum im Drogeriemarkt nebenan machen, Ludger Micke wird beim örtlichen Stromversorger zum Energieberater ausgebildet. Wenn er fertig ist, will er Bewohnern in anderen Einrichtungen beim Stromsparen helfen. Mit einem benachbarten Altenheim werden außerdem Spielenachmittage geplant. "Das sind alles Dinge, die viel einfacher sind, wenn man im Ort lebt und bekannt ist", sagt der Einrichtungsleiter. Die Bewohner organisieren und gestalten so weit wie möglich ihren Alltag selbst. Ab und zu unterstützt sie ein Betreuer, der dann an Termine erinnert oder bei Streitigkeiten schlichtet. Es gibt Hilfestellung, wenig Kontrolle. Nachts schläft in der Dachkammer immer einer der sieben Mitarbeiter, die sich vier volle Stellen teilen - nur für den Fall, dass es ein Problem gibt. Aber das ist selten.

50 Jahre Aktion Mensch: Schon viel erreicht – noch viel mehr vor

Jubiläumslogo Aktion MenschAktion Mensch feiert ihr 50-jähriges Bestehen: Hier geht es zur Jubiläumsseite im Web.Aktion Mensch e. V.

Um das das selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung weiter voran zu bringen, hat Aktion Mensch im Jubiläumsjahr auch ein neues Förderprogramm Wohnen aufgesetzt. Noch stärker als bisher werden darin Anreize für kleine, individuelle Wohnformen mitten in der Gemeinde gesetzt. 

Das Wohnprojekt Ennigerloh, Wohnheim mit betreutem Wohnen für elf Menschen mit Behinderung, ist eines der beschriebenen Projekte in der Förderbroschüre "Gemeinsam wohnen"

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