Armut

"Armut" in Deutschland, dieser Begriff ist nicht unumstritten. Armut bei uns ist nicht vergleichbar mit der Armut in vielen Ländern Afrikas, Asiens oder Lateinamerikas. 800 Millionen Menschen leiden dort an Hunger und Unterernährung. Täglich sterben 24.000 Menschen an Hunger. Bei uns braucht niemand zu verhungern. Bei uns können alle ein Dach über dem Kopf erhalten. Armut in Deutschland, das meint: auch bei uns entfernen sich immer mehr Menschen von dem, was man den "guten Durchschnitt" nennt, dem durchschnittlichen Einkommen, dem durchschnittlichen Wohnstandard, den vergleichbaren Bildungschancen für die Kinder. Über diese "relative Armut" sprechen wir, wenn wir von Armut in Deutschland reden.

In diesem Sinn berichten auch die Medien über den neuen Armutsbericht der Bundesregierung, der im kommenden Jahr vorgelegt werden soll. Die heute schon bekannten Zahlen zeigen: Die Reichen sind offenbar noch reicher geworden, die Zahl der Armen nimmt weiter zu. Es wird berichtet, dass über 3 Millionen Haushalte zum Teil hoffnungslos überschuldet sind; Ursachen sind oft geringes Einkommen, Arbeitslosigkeit, Kinderreichtum, Krankheit, aber immer wieder auch die Unfähigkeit, mit Geld umzugehen.

Reiche und Arme hat es immer gegeben, nicht nur bei uns, sondern überall in der Welt. Arme und Reiche wird es auch in der Zukunft geben. Aber die Armen dürfen nicht so arm werden, dass sie nicht mehr menschwürdig leben können. Ein menschenwürdiges Leben hängt nicht vom Geld ab. Es gibt Arme, die in Würde leben, und es gibt Reiche, die ein würdeloses Leben führen. Trotzdem braucht der Mensch auch einen Grundbestand an materiellen Gütern, um in Anstand und Würde leben zu können. Darum beten wir im Vater unser: Unser tägliches Brot gib uns heute."

(Friedrich Kardinal Wetter, Silvesterpredigt 2004)

Relativ arm zu sein (das heißt weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommens zu haben), das heißt nicht nur, jeden Euro umdrehen zu müssen. Wer nicht genug Geld hat, ist auch in anderer Hinsicht arm dran. Armen mangelt es Berufs- und Bildungschancen, an sozialen Kontakten, an sozialer Anerkennung, am Selbstbewusstsein. Eine Mieterhöhung, eine kaputte Waschmaschine, ein etwas teuerer Schulausflug, vor allem aber ein weiteres Kind bringen Familien sehr schnell in finanzielle Engpässe. Kinder sind ein Armutsrisiko geworden.

Bayern ist kein Armenhaus. Aber auch in Bayern gibt es eine zunehmende Zahl von Menschen und Regionen, deren Lebenslage sich vom Durchschnitt negativ entfernt.

Die Caritas unterhält in Bayern ein flächendeckendes Netz von armutsorientierten Diensten. Fragen Sie auch nach den Experten in den Diözesan-Caritasverbänden

Ziele

Die Caritas setzt sich in der sozialpolitischen Debatte und im persönlichen Beratungsgespräch mit den von Armut betroffenen Menschen dafür ein, dass allen in Leben in Würde ermöglicht wird. Das Ziel aller Unterstützungsleistungen muss sein, Menschen zu befähigen, sich selbst helfen zu können.

Leistungsangebote der Caritas in Bayern

Konkrete Hilfe bieten die vielfältigen Beratungsdienste (Allgemeine Sozialberatung, Schuldnerberatung... ) der Caritas an. Sie helfen zum Beispiel bei der Antragstellung von Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und Wohngeld. In vielen Stellen gibt es ein Möbellager und eine Kleiderkammer. In manchen Städten bietet die Caritas kostenlose warme Mahlzeiten und die Verteilung von Lebensmitteln ("Tafeln") an.

Landes-Caritasverband Bayern

Der Landes-Caritasverband Bayern

  • arbeitet mit an der fachlichen und sozialpolitischen Weiterentwicklung von armutsbekämpfenden Maßnahmen.
  • vertritt die sieben bayerischen Diözesan-Caritasverbände in Gremien.
  • organisiert bayernweite Fachtage und ist im Vorbereitungsteam der Bayerischen Armutskonferenzen vertreten.