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Im Blickpunkt Blick ins Jahr 2050

„Wer holt die alten Menschen aus den Betten?“

Es gehen 20 Jahre ins Land und wir sehen nicht, welche Bombe hier tickt. Weitere zehn Jahre später sind aber nur noch sehr, sehr wenige Menschen da: Das ist die Erkenntnis aus der Demografie-Simulation 2050 von Erik Flügge, Geschäftsführer der S & N Kommunalberatung. Wie gehen Gemeinden und Verbände, wie geht die Caritas damit um?

Gruppendiskussion in einem Konferenzraum mit Teilnehmern, die um ein großes, interaktives Plakat sitzen. Ein Moderator erklärt die Inhalte. ‪Demografie‬-Simulation: Spielerischer Zugang zu demografischen Veränderungen in der Session mit Erik Flügge (Bildmite). Welche Rolle übernimmt die ‪Caritas‬ bei der Gestaltung der gesellschaftlichen Prozesse?Irene Bär

Das Thema

Ein Spiel soll den demografischen Wandel deutlich machen. Eine Landkarte liegt auf dem Boden. Abgebildet: zwei Dörfer, rund herum ist es sehr ländlich. In jedem Dorf gibt es Vereine, Handwerksbetriebe und andere Aktivitäten, in der Mitte ein Schulzentrum. Auf der Karte sind 1.200 Spielfiguren verteilt. Jede steht für ein Kind, eine(n) Jugendliche(n) zwischen einem und 18 Jahren. Die Zeitreise beginnt. Alle fünf Jahre nimmt jeder der 70 Session-Teilnehmer(innen) eine Spielfigur aus dem Feld. Zunächst verändert sich kaum was. 15 Jahre später ist nur noch ein Jugendlicher in der Theater-AG und auch im Schützenverein dünnt es sich aus. 30 Jahre später ist keiner mehr beim Freiwilligen Sozialen Jahr und dem Altenheim fehlen Auszubildende. Manche Ecken auf der Landkarte sind nun menschenleer.

Die Diskussion

"Wer holt die alten Menschen dann aus den Betten?", fragt eine Teilnehmerin. "Wir als Sozialverbände können im Konkurrenzkampf um die Jungen mit anderen Arbeitgebern nicht mithalten, die einfach noch einen paar Euroscheine auf das Gehalt drauflegen und ein Auto dazu", sagt ein anderer. "Der Bundesfreiwilligendienst wird nur noch für Verlierer sein, weil die Jugendlichen sich attraktivere Stellen suchen können", so die Sorge einer Mitspielerin. Ein anderer meint: "Und aus Osteuropa wird auch keiner mehr kommen, denn die haben die gleichen Probleme." Und der Entwickler der Demografie-Simulation, Erik Flügge, wirft ein: "Die Vereine klagen, dass sich die Jugendlichen nicht mehr engagieren, aber das stimmt nicht. Sie engagieren sich sogar mehr als früher. Sie sind nicht da, weil sie nicht geboren werden. Das ist der einzige Vorwurf, den wir ihnen machen können."

Das Fazit

Klar wird: Es macht keinen Sinn immer bessere Broschüren und Werbekampagnen aufzulegen, auch im Bereich der Caritas. Die Verantwortlichen müssen strukturell über Angebote nachdenken, über Kooperationen ebenso wie über eine veränderte Infrastruktur. Und hier kann die Caritas eine Rolle übernehmen als eine Kraft, die ein Bewusstsein für das Problem wachhält und als Impulsgeberin für neue Wege.

Autor/in:

  • Esther Baron
Quelle: caritas.de