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Stand: 07.09.2018

Pressemitteilung

Asylverfahren

Debatte um Ankerzentren unsachlich und gefährlich

Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl kritisiert die aktuelle Debatte um die geplanten Ankerzentren. Sie trage mehr zur Verwirrung als zu Transparenz bei: "Derzeit weiß niemand, was das Bundesinnenministerium mit sogenannten Ankerzentren meint. Nach dem Koalitionsvertrag sollen Ankerzentren alle Flüchtlinge bis zur Entscheidung ihres Antrags aufnehmen, d.h. Flüchtlinge mit geringer aber auch solche mit hoher Bleibeperspektive. Letztere machen derzeit immerhin rund ein Drittel der neu zu uns Kommenden aus. In den Einrichtungen in Manching und Bamberg, die derzeit immer wieder in Zusammenhang mit Ankerzentren genannt werden, sind aber überwiegend solche Flüchtlinge aufgenommen, die eine schlechte Bleibeperspektive haben. Diese Einrichtungen können deshalb keine Vorbilder für die geplanten Zentren sein! Die Flüchtlinge, die dort leben, bekommen keinerlei Unterstützung zur Integration, sie dürfen nicht arbeiten, erhalten keine Sprachkurse und sehen sich nächtlichen Abschieberazzien ausgesetzt. 

Durch den Verweis auf Manching und Bamberg und die einseitige Fokussierung auf Abschiebungen nimmt die Politik derzeit billigend in Kauf, dass in der Gesellschaft und Bevölkerung der Eindruck entsteht, Flüchtlinge hätten generell kein Recht hier zu sein, worunter letztlich auch die Menschen leiden, die eindeutige unseren Schutz vor Krieg und Verfolgung benötigen. Das ist unsachlich und gefährlich. Wir fordern eine sachliche, ernsthafte und seriöse Debatte, die das Recht auf Asyl ernst nimmt. Dazu hat sich die Politik eindeutig bekannt, deswegen muss sie auch entsprechend handeln und kommunizieren.

Wenn die geplanten Ankerzentren alle ankommenden Flüchtlinge aufnehmen sollen, müssen sie von vornherein Integrationsmaßnahmen wie Sprachkurse anbieten, dürfen sie nicht zu groß sein, muss die besondere Situation von Frauen und Kindern berücksichtigt werden, müssen Beraterinnen und Berater die Menschen engmaschig, transparent und unabhängig beraten, muss es einen freien Zugang zu den Einrichtungen geben und ehrenamtliches Engagement und Kontakt zur Bevölkerung gefördert werden."


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