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Stand: 07.09.2018

Pressemitteilung

Wenn die Arbeit kaputt macht

Landau. Die Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Caritas in Landau, die Psychologin Sandra Hindelang ist vom Landes-Caritasverband Bayern mit der Durchführung von Qualifizierungskursen für Führungskräfte aus der Sozialwirtschaft beauftragt worden. Ziel der Kurse ist es, Führungskräfte für eine "gesunde Führung" in ihrer Arbeit zu sensibilisieren und Gefahrenquellen für Körper und Seele in der Arbeit ebenso aufzuzeigen wie Vermeidungsstrategien. So will das EU-Projekt, "rückenwind" genannt, Menschen helfen, wenn sie die Arbeit kaputt zu machen droht.

In ihrer täglichen Arbeit im Sozialpsychiatrischen Dienst ist Sandra Hindelang immer wieder Menschen begegnet, die in der Arbeit körperlich oder seelisch krank geworden sind. "Das geht quer durch alle Branchen, und quer durch alle Hierarchien, von der Führungskraft bis zum einfachen Arbeiter." Ihre Klienten klagen über Stresssymptome,  Schlafstörungen, Sucht, Ängste, Essstörungen bis hin zu Depressionen und Selbstmordgedanken. Natürlich werden nicht alle durch die Arbeit krank, sagt Hindelang, jeder bringe sein eigenes Päckchen mit. Aber im Arbeitsstress verdichte sich alles. Hinzu kämen Führungsfehler wie unklare Arbeitsaufträge, schlechte Organisation, ständige Überforderung oder sogar Mobbing. Nicht alle würden krank: "Nicht alle werden in und durch die Arbeit krank. Manche können den Stress psychisch managen, andere nicht."

Nach den zwei ersten Veranstaltungen in Nürnberg und Hirschberg mit 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sagte Hindelang, die Sozialberufe zählten nach ihrer Erfahrung zu den gefährdetsten Berufen für Burnout und ähnliche Erkrankungen. Die Mitarbeiter seien Tag für Tag mit den Sorgen der Menschen, in den Krankenhäusern und Pflegeheimen auch mit Krankheit und Tod konfrontiert, "das belastet stark. Es geht ja nicht um Computer oder handwerkliche Arbeit, sondern um Menschen, die krank oder in einer Krise sind." Insbesondere in der Pflege seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft am Ende ihrer körperlichen und seelischen Kräfte. Gerade in der Pflege seien die Arbeitsbelastungen in den letzten Jahren gestiegen. Die engen Personalschlüssel in den Heimen und die knappe Zeit für die häusliche Pflege gestatteten es den Pflegekräften immer weniger, "den Kranken auch einmal die Hand zu halten und mit ihnen länger zu sprechen. Alles muss schnell, schnell gehen." Dieser Zeitdruck sei eine Folge der von den Bezirken und Kranken-und Pflegekassen vorgegebenen knappen Kostenerstattungen. Die psychischen Belastungen wirken sich laut Hindelang auch auf das Verhalten in der Arbeit aus. Auch hier hätten die Führungskräfte in den beiden Kursen viele unterschiedliche Reaktionen aufgezählt: verminderte Leistungsfähigkeit, Gereiztheit, Konzentrationsstörungen, immer mehr Krankheitstage, längere Krankheitszeiten. Vor Ort in den Einrichtungen werde zwar zum Teil schon sehr viel für die Gesunderhaltung der Mitarbeiter getan, aber besonders wichtig sei auch ein sozialpolitisches Umdenken mit entsprechenden Veränderungen der Rahmenbedingungen, so Hindelang.

Das EU-Projekt "rückenwind" wird größtenteils aus EU-Mitteln finanziert und über den Landes-Caritasverband Bayern in ganz Bayern durchgeführt. Landes-Caritasdirektor Bernhard Piendl (München) sagte als Begründung für das Engagement der Caritas: "Es ist unsere Pflicht als Dienstgeber, aus Achtsamkeit und Fürsorge für die eigenen Beschäftigten hier gegenzusteuern und alles zu versuchen, um belastende Faktoren am Arbeitsplatz zu verringern."

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