München. Den weiteren Ausbau der Hospiz- und Palliativarbeit auch in
Bayern hat der Landes-Caritasverband Bayern gefordert. Voraussetzung dafür sei
eine finanzielle Absicherung der Einrichtungen und Dienste durch die
Krankenkassen. „Heute ist der Betrieb eines stationären Hospizes und die
Palliativversorgung zu Hause oder im Krankenhaus leider noch ein finanzielles
Abenteuer. Wir brauchen dringend eine gesetzliche Absicherung, um die Dienste
auch in der Fläche anbieten zu können“, sagte der bayerische Landes-
Caritasdirektor
Prälat Bernhard
Piendl
.
Aus Anlass der ARD-Themenwoche „
Leben mit dem Tod" kündigte er
an, die Caritas wolle ihre Angebote in diesem Bereich verstärken.
Piendl
sagte, der Caritas sei der
Hospizgedanke
,
die palliative Versorgung und ihre konkrete Umsetzung im Dienste der
schwerstkranken und sterbenden Menschen und ihrer Angehörigen schon immer sehr
wichtig. Wir freuen uns über die Sensibilität in der Öffentlichkeit, die nun
ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf diese Themen lenkt. „Am Ende des Lebens spielen
religiöse und spirituelle Fragen eine ganz besondere Rolle. Auch Menschen, die
im Laufe ihres Lebens nach herkömmlichen Maßstäben weniger religiös gelebt
haben, fragen im Angesicht ihres Todes nach dem, was danach kommt. Die
christlichen Kirchen können mit ihrem Glauben an die Auferweckung von den Toten
und das ewige Leben bei Gott den Menschen eine Antwort geben, die auch heute
noch Menschen tröstet und stärkt. Den Menschen in dieser Lebensphase nahe zu
sein, sehen die Kirchen deshalb als eine zentrale Aufgabe.“ Die bayerische
Caritas hat laut
Piendl
in den letzten Jahren
Projekte zum Auf- und Ausbau einer christlichen
Hospizkultur
für ihre Altenheime und Sozialstationen durchgeführt und dafür auch erhebliche
finanzielle Mittel aufgewendet. „Eine lebendige
Hospizkultur
kann jedoch nur wachsen, wenn sich jeder Mitarbeiter in der Einrichtung, auch
außerhalb der Pflege, mit dem Sterben und seinen eigenen, ganz persönlichen
Erfahrungen damit auseinandersetzen darf und muss.“ Die interdisziplinäre
Zusammenarbeit von hauptamtlichen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Mitarbeitern
der
Hospizdienste
, Seelsorgern und palliativ
geschulten Hausärzten ist wichtigste Voraussetzung für das Gelingen.
Piendl
: „Wichtig ist es, den Bewohnern wie Angehörigen
beratend zur Seite zu stehen, um den Wunsch des Betroffenen für seine
Versorgung am Lebensende festzuhalten. Dies kann in einer Vorsorgevollmacht
geschehen. Wichtiger jedoch sind vertrauensvolle Gespräche, die den Menschen
eine Auseinandersetzung mit den Themen Krankheit, Tod und Sterben ermöglichen.
Angehörige und Freunde haben die Aufgabe, nach dem mutmaßlichen Willen ihrer
Nahestehenden am Lebensende zu handeln und diesen gegebenenfalls durchzusetzen.
Dies stellt oft eine große Belastung dar; den Menschen in dieser Not zur Seite
zu stehen, dafür setzen wir uns ein.“ Die Palliativdienste und
Palliativstationen der katholischen Krankenhäuser in Bayern leisten einen
wertvollen Beitrag, um schwerstkranken und sterbenden Menschen ein Leben und
einen Abschied in Würde zu ermöglichen. Im Vordergrund steht die Frage: „Was
tut diesem Menschen gut, was braucht er, um die verbleibende Zeit möglichst
schmerzfrei und für ihn sinnvoll zu gestalten“. Die meisten Menschen wünschen
sich nicht, dass alles in der Medizin Machbare noch gemacht wird, wenn klar
ist, dass Heilung nicht mehr möglich ist. Die meisten Menschen wollen dort
sterben, wo sie am Ende gelebt haben. Ist die Versorgung zu Hause sicher
gestellt, so steht die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung allen
schwerstkranken und sterbenden Menschen Tag und Nacht zur Verfügung.
Krankenhauseinweisungen, die für die Patienten oft sehr belastend und mit
Schmerzen verbunden sind, können vermieden werden. Stationäre Hospize leisten
einen wichtigen Beitrag, wo das Sterben zu Hause nicht möglich ist.
Auch in den
Einrichtungen für behinderte Menschen wird das Thema Altern und Sterben
zunehmend wichtiger.
Piendl
: „Unsere Einrichtungen
bereiten sich auf die veränderten Bedingungen vor. Ziel wird auch hier sein,
flächendeckend eine christliche Hospiz- und Palliativkultur aufzubauen.“ Der
bayerische Landes-
Caritasdirektor
sagte, in den
letzten Jahren habe sich eine erfreuliche Zusammenarbeit mit Ärzten ergeben,
die man weiter ausbauen wolle. Die Medizin nehme die spirituellen Bedürfnisse
der Menschen in ihrer letzten Lebensphase inzwischen sehr ernst. Entschieden
sprach sich Prälat
Piendl
gegen jede Form von aktiver
Sterbehilfe aus. Menschen müssten keine Angst vor einem einsamen und
schmerzhaften Sterben haben. Die Hospiz- und Palliativbewegung ermögliche ein
Sterben in Würde, ohne Schmerzen und in Gemeinschaft. „Aktive Sterbehilfe
einerseits und die Versorgung mit palliativ-medizinischen und
hospizlichen
Angeboten andererseits schließen sich aus“,
sagte
Piendl
.