München.
Mit dem
Titel: „Den Wandel gestalten - Konkrete Schritte der Umsetzung des Bayerischen
Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes“ fand am 21.11.05 eine richtungsweisende
Tagung des Bayerischen Landesverbandes katholischer Tageseinrichtungen für Kinder
e.V. in Kooperation mit der Hanns-Seidel-Stiftung statt. An der Tagung haben
rund 300 Leiterinnen und Träger der Einrichtungen aber auch Personen aus den
Bereichen Bildung, Politik, Kirche, Verwaltung und Wissenschaft teilgenommen.
Ziel der Veranstalter war es, die Umsetzung der neuen Gesetzgebung auf allen
Ebenen zu diskutieren, damit die Umsetzungsphase im Sinne der
Qualitätssicherung und Profilierung katholischer Tageseinrichtungen für Kinder
konstruktiv genutzt werden kann.
Landes-Caritasdirektor
Prälat Karl-Heinz Zerrle sprach in seinem Grußwort die Hoffnung aus, dass die
konkreten Schritte der Umsetzung des Bayerischen Bildungs- und
Betreuungsgesetzes bei allen Mitgestaltern in Staat, Kommune und Kirche nicht allein
vom Rotstift, sondern vielmehr vom Wert des Lebens, insbesondere vom Wert der
uns anvertrauten Kinder diktiert sein sollen.
Wertorientiertes Handeln in
katholischen Kindertagesstätten
In einem Impulsreferat mit
dem Titel: Wertorientiertes Handeln in Zeiten der Veränderungen und neuer
Herausforderungen in Tageseinrichtungen für Kinder mahnte Prof. DDr. Peter Beer
vom Katholischen Büro Bayern die aktuelle Lebensnotwendigkeit von Werten an, da
diese die Orientierungspunkte für ein gelingendes, freies und selbstbewusstes
Leben sind und die Kristallisationspunkte für ein Gemeinschaftsleben bilden.
„Durch die rasanten Veränderungen in unserer Gesellschaft (z. B. Pluralisierung,
Globalisierung) stellt sich die Frage, inwiefern der altbewährte Kanon an
Werten noch Gültigkeit hat bzw. inwiefern er überhaupt noch besteht.“, so Prof.
Beer.
Die Fakten und Spielräume
des neuen Gesetzes wurden im Rahmen eines runden Tisches ausgelotet. Der
Diskussion stellten sich Prof. Dr. Dr. Peter Beer vom Katholisches Büro
Bayern, Gerhard Dix vom Bayerischen Gemeindetag, Dr. Heike Jung aus dem
Bayerischen Sozialministerium, Manuela Luber, Leiterin des Kindergartens St.
Gabriel in Dießen, Pfarrer Robert Mair aus Augsburg,
Prof. Peter Obermaier-van Deun
von der Kath. Stiftungsfachhochschule
München, der Landtagsabgeordnete Joachim Unterländer und
Gabriele
Stengel, die Geschäftsführerin des Landesverbandes der katholischen
Kindertagesstätten
.
Zentrale
Aufgaben von Trägern und Leiterinnen
Mit dem
Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz beginnt eine neue Ära im Bereich
der Tageseinrichtungen für Kinder und Tagespflege in Bayern. Erstmals gilt ein
einheitlicher Rechtsrahmen für alle Formen der Kinderbetreuung. Nach Ansicht
von
Gabriele Stengel,
der Geschäftsführerin des Landesverbandes der katholischen Kindertagesstätten
stehen d
ie Träger und Leitungen der Einrichtungen vor drei zentralen
Aufgaben, die einer Lösung zugeführt werden müssen: Erstens ist die wachsende
Erkenntnis der Bedeutung der frühkindlichen Bildung ist in den pädagogischen
Konzepten zu berücksichtigen und in Bezug zu bringen mit den gesamten sozial-
und bildungspolitischen Entwicklungen und wirtschaftlichen Voraussetzungen;
zweitens erfordert die Nachfrageorientierung des neuen Fördersystems eine regionale
Angebotssteuerung, die trotz angespannter Haushaltslage Spielräume für eine
quantitative und qualitative Weiterentwicklung bietet; drittens erfordert die
Koppelung der Finanzierung an die Auslastung, wie es das neue Gesetz vorsieht,
bei gleichzeitig rückläufigen Kinderzahlen eine deutliche Profilbildung, eine
Angebotsveränderung und eine hohe Transparenz für Eltern, damit die
Einrichtungen für den Wettbewerb gerüstet sind. Stengel resümiert, dass dies
einen breiten Qualifizierungsbedarf der Einrichtungen deutlich macht, der auf
Landesebene ein gutes Zusammenwirken aller beteiligten Stellen erfordert. Dies
begründet sich dadurch,
dass d
ie Stärkung kommunaler Planungshoheit
und die Deregulierung durch das neue BayKiBiG einerseits mehr
Gestaltungsfreiheit bietet, andererseits aber gerade dadurch in vielen
strittigen Fragen Unsicherheiten auftreten.
Am Nachmittag wurden in drei Fachforen
die Themen „Stützsysteme nutzen“, „Vom Kindergarten zum Haus für Kinder -
Konzepte der Weiterentwicklung“ und „Ethische und religiöse Bildung und
Erziehung in katholischen Tageseinrichtungen für Kinder“ behandelt.
Zum Abschluss der Veranstaltung forderte
Landes-Caritasdirektor Prälat Karl-Heinz Zerrle die Anwesenden auf den
Blick nach vorne zu richten und den Wandel aktiv mitzugestalten. Im derzeitigen
Spannungsfeld zwischen dem Gebot der Wirtschaftlichkeit und qualitativ
hochwertiger Bildung und Erziehung der Kinder gilt es, einerseits notwendige
Veränderungen zuzulassen und gleichzeitig das wertorientierte Handeln in den
katholischen Einrichtungen zu bewahren.
In Bayern gibt es 2.422 katholische Kindertagesstätten mit ca. 15.700 pädagogischen Mitarbeiterinnen. Das sind 40 Prozent aller Kindertagesstätten im Freistaat. Rund 168.000 Kinder besuchen eine katholische Tagesstätte.