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Pressemitteilung

TOP on Job

Caritas startet mit den bayerischen Betriebskrankenkassen und der Betrieblichen Suchtprävention Franz J.D. Miehle (Augsburg) ein Präventionsprogramm für junge Leute in Betrieben

Erschienen am:

18.09.2007

  • Beschreibung
Beschreibung

München. Die bayerische Caritas will sich verstärkt in der Betrieblichen Suchtprävention   für junge Menschen engagieren. Das gab Landes- Caritasdirektor Prälat Karl-Heinz Zerrle bei einer Informationsveranstaltung mit 60 Vertretern aus Betrieben in München bekannt. Gemeinsam mit dem BKK Landesverband Bayern und der Betrieblichen Suchtprävention Franz J.D. Miehle (Augsburg) hat die Caritas ein neues Programm für die Suchtprävention für junge Leute in Betrieben entwickelt. Unter dem Titel „Top on Job“ will man mit Hilfe geschulter Auszubildender und unter Beratung durch die Caritas eine selbständige Präventionsarbeit im Betrieb durch die Jugendlichen selbst aufbauen. Prälat Zerrle : „Es hilft nach unseren Erfahrungen wenig, mit erhobenem Zeigefinger oder mit Drohungen auf die jungen Leute zuzugehen. Gleichaltrige werden von ihnen eher akzeptiert.“ Der Ausbildungsbereich im betrieblichen Umfeld biete neben der Schule eine ideale Gelegenheit zur Suchtprävention und Frühintervention bei Jugendlichen. Hintergrund des Projekts ist, so Zerrle eine bedrohliche Entwicklung in der Gesellschaft, die auch vor den Betrieben nicht Halt mache: „Der Alkoholkonsum Jugendlicher entwickelt sich dramatisch. Das durchschnittliche Einstiegsalter liegt inzwischen bei zwölf Jahren. Studien belegen: Je frühzeitiger der Alkoholkonsum, desto größer das Risiko der Abhängigkeit.“ Bereits jeder zehnte 15-Jährige ist alkoholabhängig.

Bausteine des Programms
Ziel des Projekts „Top on Job“ ist es, eine Jugendgruppe im Betrieb aufzubauen und zu Tutoren auszubilden, die unter Anleitung und Unterstützung selbstständige Präventionsarbeit   mit suchtgefährdeten Gleichaltrigen leistet. Diese Peergroup soll Anlaufstelle für betroffene Kolleginnen und Kollegen sein, Beratung und Hilfestellung leisten, eigene Präventionsprojekte im Betrieb aufbauen sowie mit externen Suchthilfestellen zusammenarbeiten. Die Arbeit der Jugendlichen erfolgt weitgehend selbstständig. Beratende Unterstützung durch externe Berater können die Jugendlichen   hinzuziehen. In Workshops soll Auszubildenden ein Freiraum zur Verfügung stehen, der sie dabei unterstützt, sich mit ihrem Lebensalltag und ihrer Lebenssehnsucht aktiv auseinander zu setzen. Theater und Spielszenen laden ein, der eigenen schöpferischen Entfaltung Raum zu geben, um konkrete Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln und zu fördern. Vermittelt werden Informationen über Hintergründe und Ursachen von Süchten, verantwortungsvolles Handeln hinsichtlich des Gebrauchs von Suchtmitteln, Training der Standfestigkeit gegen sozialen Druck und Problemlösungsfähigkeiten. Außerdem werden inner- und außerbetriebliche Hilfen aufgezeigt.

Zahlen
Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren sind etwa fünf Prozent aller Bundesbürger suchtkrank. 10,4 Millionen praktizieren einen riskanten Alkoholkonsum, davon 1,7 Millionen missbräuchlichen und 1,7 Millionen abhängigen Konsum, der einer Behandlung bedarf. Etwa fünf bis acht Prozent der Beschäftigten eines Unternehmens sind alkoholabhängig und weitere zehn Prozent alkoholgefährdet. Bei 20 bis 30 Prozent aller Arbeitsunfälle spielt Alkohol eine Rolle. Für die Betriebe ist die Suchtproblematik ihrer Mitarbeiter also ein erheblicher Risikofaktor. Der volkswirtschaftliche Schaden der dadurch entsteht, liegt nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen zwischen 20 und 40 Milliarden Euro pro Jahr. Alkoholmissbrauch spielt auch eine Rolle bei Fehlzeiten und beeinträchtigt die Arbeitsleistung. Kündigung, so der Landes- Caritasdirektor , sei ebenso wenig ein verantwortbarer Weg wie das Wegsehen und Verschweigen. Die Caritas empfiehlt eigene Suchtpräventionsprogramme, wie sie in verschiedenen Betrieben schon existieren.   Diese Programme enthalten Regeln für den Umgang der Vorgesetzten mit suchtkranken Mitarbeitern. Dabei wird meistens in einem Stufensystem festgelegt, dass sich der betroffene Mitarbeiter in einem bestimmten Zeitraum einer Therapie zu unterziehen und an bestimmte Regeln (kein Alkohol im Betrieb, Teilnahme an Gesprächskreisen, regelmäßiger Kontakt zu seinem Vorgesetzten) zu halten hat. Eine Kündigung erfolgt als allerletzte Maßnahme. Auch die größeren Einrichtungen der Caritas haben mit ihrer Mitarbeitervertretung solche Betriebsvereinbarungen abgeschlossen.   Die Vorteile für die Unternehmen liegen erfahrungsgemäß in der Verbesserung im sozialen Klima, der höheren Zufriedenheit der Belegschaft und größerer Wirtschaftlichkeit durch Kostenersparnis, etwa wegen der Reduzierung der Fehlzeiten und Steigerung der Arbeitsleistung.

Neues Verständnis von Sucht

Der Suchtexperte Franz Miehle (Augsburg) erläuterte bei der Veranstaltung, Sucht sei nicht als persönliches Versagen des einzelnen Menschen zu werten, sondern   als ein Versuch, sich mittels der Wirkung eines Suchtmittels an als belastend empfundene Lebensbedingungen anzupassen und vermeintlich eine seelische Balance zu finden. Miehle : „Leidet ein Mensch längere Zeit unter hohen inneren Spannungen und Belastungen von außen und stehen ihm keine oder zu wenig erlernte Verhaltensmöglichkeiten zur Spannungsverminderung und Konfliktlösung zur Verfügung, so greift er auf einen einmal als hilfreich empfundenen Spannungslöser zurück. Suchtmittel, aber auch bestimmte Verhaltensweisen, wie z.B. Spielen oder Essen, übernehmen häufig diese Funktion.“

Weitere Informationen :

Hilde Rainer-Münch, Referentin Fachbereich Sucht

Tel: 089-54497 170, hilde.rainer-muench@caritas-bayern.de