Im Rahmen der jährlichen Klausur der Freien Wohlfahrtspflege Bayern in Verbindung mit politischen Gesprächen, diesmal in Berlin, ging der Vorsitz von Pfarrer Dr. Andreas Magg (Landes-Caritasverband Bayern) auf Margit Berndl (Paritätischer in Bayern) über. Die neue Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege, Margit Berndl, machte angesichts zahlreicher internationaler Krisen, angespannter Haushalte und vor dem Hintergrund zahlreicher Wahlkämpfe in diesem Jahr auf die Bedeutung einer verlässlichen sozialen Versorgung der Menschen hin. "Die soziale Infrastruktur darf nicht kaputtgespart werden, sondern muss gerade in Zeiten von weniger Mitteln zukunftsfähig und bedarfsgerecht aufgestellt werden", so Berndls Forderung. "Hier fällt auch der Freien Wohlfahrtspflege Bayern eine Schlüsselrolle zu. Eine funktionierende und für alle zugängliche soziale Versorgung ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Sie entscheidet maßgeblich über Lebensqualität und Chancengerechtigkeit. Sie ist das Fundament für gesellschaftlichen Zusammenhalt - und zudem für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, gerade in Zeiten multipler Krisen."
Mit Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen im Frühjahr mahnt Berndl: "Es stellt sich die Frage, ob die soziale Versorgung der Bürger*innen weiterentwickelt und für die Zukunft gesichert oder dem Spardruck geopfert wird." Soziale Infrastruktur in gemeinnütziger Trägerschaft sei zudem ein Bollwerk zur Verteidigung der Demokratie. "In einem politischen Diskurs, der sich zunehmend verschärft, steht die Freie Wohlfahrtspflege ein für gesellschaftlichen Zusammenhalt."
Der scheidende Vorsitzende, Pfarrer Dr. Andreas Magg, zieht eine gemischte Bilanz des vergangenen Jahres: "Mit den Regelungen zur Finanzierung der Kitas hat die bayerische Staatsregierung eine mutige Entscheidung getroffen und die Situation in den Kindertagesstätten deutliche entschärft. Gewinnbringend war sicher auch eine europäische Perspektive, die die bayerischen Spitzen der Wohlfahrtsverbände bei einer Fahrt nach Brüssel einnehmen konnten. Deutlich schwieriger war sicher das Ringen um die Krankenhäuser im Land. Und auch der Personalmangel konnte nicht behoben werden." Auch die Eingliederungshilfe ist eine bleibende Herausforderung: "Gerade Menschen mit Behinderung müssen in ihren Möglichkeiten zur Teilhabe an der Gesellschaft gestärkt werden. Dies droht angesichts der klammen öffentlichen Haushalte unter den Tisch zu fallen und Ziel deutlicher Einsparungen zu werden. Hier geht es nicht um Privilegien, sondern um die Zuerkennung elementarer Menschenrechte. Wir haben in diesem Bereich zahlreiche Vorschläge, beispielsweise zur Entbürokratisierung, aber dafür brauchen wir die Kostenträger als Partner, die mutig gestalten wollen."
Zum Abschluss appellieren Berndl und Dr. Magg an die demokratischen Kräfte im Land: "Politik und Demokratie leben vom Austausch und dem Ringen um die beste Lösung. Allerdings macht immer der Ton die Musik - und hier haben wir große Sorge. Wir sollten uns davor hüten, eine Gruppe gegen die andere auszuspielen. Dabei verlieren immer beide Seiten. Notwendig ist ein ernsthaftes Bemühen um Kompromisse, zu denen alle stehen können, und Vereinbarungen, die tragen. Ansonsten haben Populisten leichtes Spiel - und das Potential, unsere Demokratie und das friedliche Zusammenleben in diesem Land ernsthaft zu gefährden."
Die in der Freien Wohlfahrtspflege Bayern zusammengeschlossenen Verbände sind die Arbeiterwohlfahrt, das Bayerische Rote Kreuz, die Caritas, das Diakonische Werk Bayern, der Lan-desverband der Israelitischen Kultusgemeinden und der Paritätische Wohlfahrtsverband. In Bayern unterhalten die Wohlfahrtsverbände und ihre angeschlossenen Organisationen rund 14.500 Facheinrichtungen und Projekte im gesamten sozialen Bereich. Sie beschäftigen etwa 410.000 hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zusätzlich engagieren sich in der Freien Wohlfahrtspflege Bayern und ihrem Umfeld etwa 137.000 Menschen ehrenamtlich.