Michael Kroll, Geschäftsführer der KJS Bayern, im Gespräch mit vier Jugendlichen, die beim 15. Dialogtag den Wert der Jugendsozialarbeit an Schulen für ihre persönliche Bildungskarriere betonten. Sabine Ludwig / DiCV Würzburg
Rund 70 Teilnehmende kamen im Kolpinghaus Würzburg zum 15. Dialogtag der Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (KJS) Bayern zusammen. Unter dem Motto "Brücken bauen. Stimmen stärken" diskutierten Fachleute, Verantwortliche und betroffene Jugendliche über Wege, wie sozial benachteiligte junge Menschen besser in Ausbildung, Beruf und ein eigenständiges Leben starten können.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Austausch darüber, welche Unterstützungsleistungen Jugendliche benötigen - insbesondere jene, die vor besonderen Hürden stehen. Stefan Bauer, Vorsitzender der KJS Bayern, betonte in seiner Begrüßung: "Kein junger Mensch sollte auf seinem Weg ins Berufsleben und in eine erfolgreiche Zukunft allein gelassen werden." Zusammenarbeit, Teilhabe und Chancengleichheit wurden als zentrale Elemente hervorgehoben.
In den Dialoggruppen beteiligten sich unter anderem Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Sozialarbeit und Wirtschaft. Zu ihnen gehörten die Landtagsabgeordneten Kerstin Celina, Dr. Martin Brunnhuber und Thomas Huber, Manfred Eck (Kolpinghaus Würzburg), Ludwig Paul (Handwerkskammer Unterfranken), Andreas Holste (Bayerisches Sozialministerium) sowie Rita Walko (Caritas München und Freising).
In den Dialoggruppen wurden Forderungen und Maßnahmen erarbeitet, die die Situation der Jugendlichen verbessern und ihnen den Weg ins Berufsleben erleichtern würden. Zentral war insbesondere die Umsetzung der Vorschläge der Kommission zur Reform des Sozialstaats, die Systematische Vernetzung regionaler Angebote, die Stärkung des Übergangsmanagements zwischen Schule und Beruf sowie die bessere finanzielle Ausstattung des sozialpädagogischen Jugendwohnens. Daneben war den Jugendlichen, die sich engagiert in die Gespräche einbrachten insbesondere auch die Verbesserung der Mobilität, beispielsweise durch finanzierte Führerscheine oder Bereitstellung von E-Bikes.
Thomas Huber (CSU) forderte mehr Vernetzung und Erreichbarkeit: "Wir haben viele gute Leute an verschiedenen Stellen, aber wir brauchen eine zentrale Ansprechperson an jeder Schule für die schulischen Übergänge." Die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) sei ein Erfolgsmodell, ergänzte Rita Walko, Vorstandsmitglied der KJS Bayern, aber aktuell nur an einem Drittel der bayerischen Schulen vertreten. Die Zusammenarbeit zwischen JaS und Lehrkräften müsse auf Augenhöhe erfolgen.
Kerstin Celina betonte, dass die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Institutionen besser zusammengebracht werden müssen. Die Zusammenarbeit zwischen Kultus- und Sozialministerium solle intensiviert werden. Ludwig Paul plädierte für mehr Mobilität und regte an, einen vorgezogenen Führerschein für die Fahrt zur Arbeit einzuführen und Arbeitgeber zu ermutigen, Auszubildenden E-Bikes zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus sollte die Attraktivität von Handwerksberufen gesteigert werden, um mehr Menschen für diese Berufsfelder zu gewinnen.
Dr. Brunnhuber forderte frühzeitige Prävention in den Familien, weniger Schubladendenken und bessere und wertschätzende Kommunikation miteinander. Clemens Bieber, Vorsitzender des Caritasverbandes Würzburg, betonte die Bedeutung eines stabilen Fundaments für junge Menschen: "Wir müssen Ideen entwickeln, um junge Menschen aufzufangen und ihnen eine Basis geben, ihr Leben eigenständig zu bewältigen."
Besonders eindrucksvoll waren die Berichte von vier Jugendlichen, die ihre persönlichen Erfahrungen teilten. Sie machten deutlich, dass der Glaube eines einzelnen Menschen an sie - sei es Betreuer, Familie oder Freund - oft den entscheidenden Unterschied für ihre Entwicklung und Motivation macht. Der offene Dialog wurde von den jungen Menschen ausdrücklich gelobt.
Mit den Meinungen der Jugendlichen und den konkreten Forderungen aus den Dialoggruppen ging der 15. Dialogtag der KJS Bayern erfolgreich zu Ende. Die Veranstaltung unterstrich, wie wichtig Vernetzung, zentrale Ansprechpartner und gezielte Unterstützung sind, um benachteiligten Jugendlichen Brücken ins Leben zu bauen.
Die Katholische Jugendsozialarbeit (KJS) Bayern ist die Landesarbeitsgemeinschaft der überregional tätigen katholischen Träger der Jugendsozialarbeit in Bayern sowie der Jugendsozialarbeits-Verbünde in den sieben (Erz-)Diözesen Augsburg, Bamberg, Eichstätt, München und Freising, Passau, Regensburg und Würzburg. Jugendsozialarbeit ist ein eigenständiger Leistungsbereich innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII). Sie unterstützt in ganz Bayern die soziale, schulische und berufliche Integration sozial benachteiligter und individuell beeinträchtigter junger Menschen, zum Beispiel in der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) und der Jugendberufshilfe, in Jugendmigrationsdiensten und in Einrichtungen des Jugendwohnens.
Weitere Informationen: www.kjs-bayern.de