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Stand: 22.06.2017

Pressemitteilung

Welttag der Armen

Besuch vor Ort zum Welttag der Armen 2017

"Hier kann ich am Tor meinen Mantel ablegen, kriege den Kopf frei und kann einfach nur ich sein!" Christine, die ihren Nachnamen nicht nennen will, kommt in jeder freien Minute in die Villa Johannes. Sie ist eine von rund 60 Besucherinnen und Besuchern, die jeden Tag in die Suchthilfeeinrichtung der Caritas in Ingolstadt kommen. Silvia Kopp, der Leiterin der Einrichtung ist es wichtig, akzeptierend zu arbeiten, wie es in der Fachsprache heißt: "Zu uns kann jeder kommen, der in irgendeiner Art und Weise Probleme mit Sucht hat. Wir verurteilen nicht und wollen zunächst auch nicht therapieren. Uns geht es darum, den Leuten einen Ort zu geben, wo sie sein können und wo ihnen zugehört wird. Durch diesen niedrigschwelligen Ansatz erreichen wir Leute, die bereits durch alle Hilfsangebote gefallen sind, können ihnen weiterhelfen und Ansprechpersonen nennen." 

Welttag der Armen 2017Der Eichstätter Diözesan-Caritasdirektor Franz Mattes, die Leiterin der Villa Johannes, Silvia Kopp und Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl ließen sich von Besuchern der Villa Johannes in Ingolstadt berichten.Peter Esser

So auch Annemarie, die jeden Tag in die Villa Johannes kommt und seit 2 Jahren in der Obdachlosenunterkunft Franziskanerwasser lebt. "Ich muss von zehn Euro am Tag leben. Mit Frau Kopp habe ich einen Wohnungsberechtigungsschein beantragt und auch bekommen, damit ich endlich wieder in eine eigene Wohnung ziehen kann. Ich bin gerne in der Villa Johannes, weil die Arbeit Spaß macht und ich mit den Leuten gut klar komme. Hier werde ich nicht beschimpft, hier habe ich immer Ansprechpartner und fühle mich einfach wohl." Wenn sie einen Wunsch an die Politik richten dürfte, dann wäre es endlich für mehr bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. "Denn ansonsten kann ich das mit meiner schmalen Erwerbsminderungsrente nicht bezahlen!"

Zuhören und die Nöte der Menschen kennen lernen, das war das Anliegen von Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl und dem Caritasdirektor der Diözese Eichstätt, Franz Mattes, als Sie heute die Villa Johannes besuchten. Anlass war der heuer von Papst Franziskus erstmals ausgerufene "Welttag der Armen", der am 19. November begangen wird. "Die gängige Meinung ist, dass Bayern sehr gut dasteht und Armut hier nur sehr vereinzelt vorkommt. Aber die Wirklichkeit ist deutlich vielschichtiger. Deswegen ist das persönliche Gespräch wichtig, um ein Bewusstsein dafür zu bekommen, was die Leute bewegt. Das Anliegen von Papst Franziskus, den Leuten eine Stimme zu geben, die sonst nicht gehört werden, ist auch ein Anliegen der Caritas ", kommentierte Piendl den Besuch in der Suchthilfeeinrichtung.

Bernhard Gruber, der Leiter der Allgemeinen Sozialberatung bei der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt und Sprecher für diesen Bereich beim Diözesan-Caritasverband Eichstätt, sagte: "dass gerade die Arbeit und Beratung für die Armen in den niedrigschwelligen Angeboten wie der Allgemeinen Sozialberatung oder eben in Angeboten wie der Villa Johannes wichtige Grunddienste sind: Diese Angebote sind es, die dafür sorgen, dass die Leute im Hilfesystem bleiben und nicht durchs Raster fallen. Wenn Anträge nicht ausgefüllt werden, wenn keine Postadresse vorhanden ist oder wenn Sanktionen durch die Jobcenter die Existenz nicht mehr sichern, dann werden wir tätig, um die Leute wieder aufzubauen. Allerdings müsste die Grundsicherung gerechter ausgebaut werden, damit Energiekosten getragen werden können, nötige Medikamente oder auch Brillen bezahlt werden können."

Der Welttag der Armen steht dieses Jahr unter dem Motto "Liebt nicht mit Worten, sondern mit Taten" und soll zukünftig jedes Jahr am Sonntag vor dem Christkönigsfest stattfinden. Der Papst wird am Sonntag ein großes Mittagessen für Bedürftige in Rom veranstalten.

Die Villa Johannes ist eine Anlaufstelle für Menschen mit chronischer Suchterkrankung. Betroffene können dort durch einen geregelten Tagesablauf zu Struktur, Sicherheit und einem Gemeinschaftsleben finden. Verschiedene niedrigschwellige Angebote, wie Feste und Freizeitaktivitäten ermöglichen den Besuchern eine sinnvolle Tagesgestaltung. Dadurch gewinnen Betroffene wieder Vertrauen und neuen Lebensmut. Viele, der meist obdachlosen Klientinnen und Klienten, finden durch die Weitervermittlung zur Allgemeinen Sozialberatung (ASB) auch zurück in das soziale Hilfesystem. Die ASB ist erste Anlaufstelle bei der Caritas für Menschen mit akuten persönlichen, wirtschaftlichen, finanziellen und sozialen Schwierigkeiten. Sie steht allen unabhängig von Geschlecht, Konfession und Nationalität offen.

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