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Stand: 31.01.2020

Pressemitteilung

Vorsitzwechsel Freie Wohlfahrtspflege Bayern

Turnusgemäß hat der Paritätische Wohlfahrtsverband den Vorsitz der Freien Wohlfahrtspflege Bayern übernommen. Bis Januar 2017 ist damit Margit Berndl Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege. Sie folgt auf Prälat Bernhard Piendl, Landes-Caritasdirektor im Landes-Caritasverband Bayern, der für das kommende Jahr den stellvertretenden Vorsitz übernimmt.

Bessere finanzielle Ausstattung ist notwendig

Die Integration der vielen Flüchtlinge stellt die gesamte Gesellschaft vor enorme Herausforderungen. Die Freie Wohlfahrtspflege ist ein wichtiger Partner und Akteur, um diese Herausforderungen zu meistern. "Die Angebote der Regelversorgung - angefangen bei der Kindertagesbetreuung und Schule über die Frauenunterstützungseinrichtungen hin zum Gesundheitssystem - müssen für die Aufgabe der Integration fit gemacht und finanziell besser ausgestattet werden," fordert Margit Berndl, Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege Bayern. Dabei brauchen vor allem die Kommunen und Bezirke mehr Unterstützung vom Freistaat und vom Bund, um beispielsweise den sozialen Wohnungsbau vorantreiben zu können.

Es habe ohnehin schon vor der Flüchtlingskrise großen Handlungsbedarf bei öffentlichen Versorgungsangeboten gegeben - z.B. bei der Qualitätsverbesserung in der Kindertagesbetreuung, der Integration schwervermittelbarer Menschen in den Arbeitsmarkt, der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, bei der Finanzierung der Gesundheitsversorgung. Durch den Zuzug der Flüchtlinge werde dieser Handlungsbedarf enorm verschärft, betont Berndl.

Familien und Frauen sind der Schlüssel für eine gelingende Integration

Zwei Drittel der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge sind Männer. "Familie und Frauen aber sind der Schlüssel für eine gelingende Integration", hält Berndl fest. Deshalb sei der Nachzug der Kernfamilie für die Integration wichtig. Schließlich komme der Familie im christlichen Weltbild eine besondere Bedeutung zu. "Die Vorstellung, dass sich mehr Frauen mit kleinen Kindern oder Schwangere auf den gefährlichen Weg über das Mittelmeer machen, um Krieg und Terror zu entkommen, finde ich unerträglich", so Berndl.

Migrationsberatungsstellen müssen dringend ausgebaut werden!

Die Mitarbeitenden in den Migrationsberatungsstellen arbeiten an ihren Grenzen und können dem Ansturm nicht mehr gerecht werden. Die Beratungsstellen sind für eine gelingende Integration vor Ort enorm wichtig. Sie sollen Zuwanderer, die älter als 27 Jahre sind, bei der sprachlichen, beruflichen und sozialen Integration in Deutschland unterstützen, den Integrationsprozess initiieren und begleiten, um die Teilhabechancen und das gelebte Miteinander vor Ort zu verbessern. "Die erfolgte Aufstockung der Mittel ist weit entfernt vom Bedarf. Die Migrationsberatungsstellen müssen dringend finanziell besser ausgestattet werden", fordert Berndl.

Werte leben statt Symbolpolitik

"Wir brauchen eine sachliche Debatte darüber, welche Werte unsere Gesellschaft tragen und keine Symbolpolitik", mahnt Berndl an. Die wichtigsten Regeln unseres Zusammenlebens sind im Grundgesetz und in der Bayerischen Verfassung bereits verankert. Diese Werte müssen von allen gelebt werden, damit sich auch die zu uns Kommenden daran orientieren können. "Integration setzt Offenheit bei der Mehrheitsgesellschaft voraus", so Berndl, "Politik und Zivilgesellschaft müssen alles dafür tun, damit diese Offenheit erhalten bleibt. Wir brauchen ein genauso kraftvolles Eintreten für Toleranz und Offenheit in der Mehrheitsgesellschaft, denn es ist erschreckend wie im letzten Jahr die Anzahl an Brandstiftungen gegen Flüchtlingsunterkünfte und die Übergriffe auf Migranten zugenommen haben."

Herausforderungen aus dem Jahr 2015 bleiben bestehen

Prälat Piendl blickt auf ein interessantes und herausforderndes Jahr zurück: "Neben der Ankunft der vielen Asylsuchenden, welche die Wohlfahrtsverbände mit viel Einsatz und Energie begleitet haben, dürfen wir auch unsere anderen Schwerpunktthemen nicht in Vergessenheit geraten lassen." Prälat Piendl würdigt hier insbesondere die Erhöhung des Basiswerts für Kinder in Kindertageseinrichtungen. Darüber hinaus habe die Freie Wohlfahrtspflege Bayern mit der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit gemeinsame Vereinbarungen zur Bewältigung der Langzeitarbeitslosigkeit getroffen und werde auch in ihren Reihen die Einstellung von Menschen dieser Gruppe fördern, so Prälat Piendl weiter. Kritisch äußert er sich zur Betreuung von Flüchtlingskindern: "Kindertageseinrichtungen sind bei der Integration besonders wichtig. Hier lernen Kinder frühzeitig die deutsche Sprache, ihnen werden kulturelle Werte vermittelt wie z.B. ein gleichberechtigtes Rollenbild von Männern und Frauen und hier können die Mütter erreicht werden. Die Bemühungen um mehr staatliche finanzielle Unterstützung für die spezifischen Bedarfe der Flüchtlingskinder haben noch nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Stattdessen wurde sogar eine Verschlechterung des Personalschlüssels durch die Aufnahme von Flüchtlingskindern in Kauf genommen." Positive Impulse erwartet Prälat Piendl aus der Fortführung der Pflegereform im Pflegestärkungsgesetz II, dem Hospiz- und Palliativgesetz und dem angekündigten Bundesteilhabegesetz.

Die Freie Wohlfahrtspflege Bayern, in der die sechs bayerischen Spitzenverbände Arbeiterwohlfahrt (AWO), Bayerisches Rotes Kreuz (BRK), Caritas, Diakonie, Der Paritätische in Bayern und der Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden organisiert sind, sind wichtige Akteure der Zivilgesellschaft, die maßgeblich zu einer gelingenden Integration beitragen. Sie sind als Träger von Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften an der Aufnahme von Flüchtlingen beteiligt. Genauso sind sie zuständig für das Bleiben - als Träger von Kindertageseinrichtungen, von Familienbildung, von Angeboten der Jugendberufshilfe, von Jugendwohnen, von Migrationsdiensten, mit Projekten zur Arbeitsmarktintegration, mit psychosozialen Diensten zur Traumabewältigung, mit Frauenunterstützungseinrichtungen.

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