München.
„Alles, was die Situation von pflegebedürftigen Menschen und der Pflegepersonen
verbessert, hat unsere Zustimmung“, sagte der bayerische Landes-
Caritasdirektor
Prälat Karl-Heinz Zerrle in München zu den
beiden Pflege-Initiativen der Bayerischen Staatsregierung im Januar 2011. Die
Einsetzung eines staatlichen Pflegebeauftragten durch Sozialministerin
Christine
Haderthauer
zeige den Willen des
Ministeriums, die Pflege zu einem sozialpolitischen Großthema zu machen. Der
Vorschlag von Gesundheitsminister Markus Söder, eine Pflegekammer einzurichten könne
zur Aufwertung des Pflegeberufs beitragen. Eine Pflegekammer trage durch die
Erfassung aller Pflegefachkräfte dazu bei, neue pflegewissenschaftliche
Erkenntnisse und Qualitätsansprüche der ganzen Berufsgruppe rasch nahe zu
bringen. So könne durch eine Pflegekammer die Qualität der Versorgung der
kranken
und alten Menschen eine Verbesserung erfahren.
Weiterhin bedeute eine Pflegekammer eine staatliche Anerkennung und
Legitimierung und dies könnte wiederum die gesellschaftliche Anerkennung des Pflegeberufes
positiv verändern. Eine Pflegekammer dürfe aber auf keinen Fall zu mehr
Bürokratisierung führen. Allerdings genügten die neuen Vorschläge nicht, um die
Pflege in ihrer Gesamtheit nachhaltig zu verbessern. „Wir brauchen ein
Gesamtkonzept zur Verbesserung der Pflegebedingungen zu Hause und in den
stationären Einrichtungen. Die Probleme sind bekannt, Staat und Kostenträger
müssen nun handeln“, betonte der Landes-
Caritasdirektor
.
Die stationäre und ambulante Pflege brauche mehr qualifiziertes und besser
bezahltes Personal. Dessen Bezahlung liege allerdings nicht im Ermessen der
Heime und Sozialstationen, sondern in der Verantwortung der Kostenträger, also
der Bezirke und Kassen. Auch die pflegenden Angehörigen zu Hause bräuchten mehr
Hilfe, etwa durch Kurzzeitpflege und finanzielle Unterstützung. Wer seine
Angehörigen pflege, dürfe durch die seelische und körperliche Belastung nicht
selbst krank werden oder berufliche Nachteile und finanzielle Einbußen
erleiden. Auch hier sei zuerst der Staat gefragt. Für nicht zielführend hält
die Caritas den jüngsten Vorschlag von Bundesfamilienministerin Kristina
Schröder, über den neuen Bundesfreiwilligendienst Männer aus „bildungsfernen Schichten“
an die Pflege heranzuführen. „Wer es bisher in anderen Berufen nicht geschafft
hat, ist wohl nicht geeignet für den sensiblen Umgang mit pflegebedürftigen
Menschen“, sagte Prälat Zerrle. Für die ambulante Pflege erwartet die Caritas
auf der Grundlage der Ergebnisse des dem
Transparenzverfahren
konstruktive Verhandlungen mit den Kranken-und Pflegekassen, um möglichst bald
eine spürbare Verbesserung der sehr schwierigen Situation der ambulanten
Kranken- und Altenpflege zu erreichen und damit deren Zukunftsfähigkeit zu
sichern. In dem von Wohlfahrtsverbänden und Kassen gemeinsam durchgeführten
Transparenzverfahren
waren 80 Pflegedienste untersucht
worden, um daraus leistungsgerechte Gebühren ableiten zu können. In der
stationären Pflege darf, so Prälat Zerrle, nicht an der Fachkraftquote
gerüttelt werden, die vorschreibt, dass 50 Prozent der Pflegepersonen
Fachkräfte sein müssen. Die Quote dürfe auch nicht aufgeweicht werden, indem
man andere Berufe wie Hauswirtschafterinnen oder Familienpflegrinnen als
Pflegefachkräfte definiere. Um die Finanzierung der Altenpflegeausbildung
weiterhin zu garantieren, solle das Kultusministerium die Kürzung seiner
Zuschüsse überdenken. Dringend erforderlich sei auch die Reform der
Einnahmeseite der Pflegeversicherung. Den Vorschlag der Vereinigung der
bayerischen Wirtschaft, das ganze System zu privatisieren, lehne die Caritas
ab. „Die Wirtschaft darf sich nicht aus der solidarischen Finanzierung der
Sozialsysteme davonstehlen. Man darf nicht alle sozialen Risiken privatisieren,
das würde vor allem die weniger gut situierten Familien überfordern. Ich
appelliere hier an die soziale Verantwortung der Wirtschaft“, sagte der Landes-
Caritasdirektor
. Ob eine nachhaltige Verbesserung der
beitragsfinanzierten Pflegeversicherung durch die Ergänzung einer privaten
Kapitaldeckung nachhaltig die Probleme lösen könne, sei zweifelhaft. Auch diese
Lösung bürde alleine den Versicherten die zusätzliche finanzielle Last auf.
Dass der entstehende Kapitalstock auf dem Finanzmarkt angelegt werden müsse,
berge große Risiken. „Solange ist die Finanzkrise noch nicht vorbei und so
sinnvoll waren die politischen Regulierungen der Finanzmärkte bisher nicht,
dass ich da uneingeschränktes Vertrauen habe“, sagte der Landes-
Caritasdirektor
. Vielleicht sei die Einführung einer
Bürgerversicherung genauer zu durchdenken.