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Pressemitteilung

Was der Pflege nützt, ist sinnvoll

Caritas zu Vorschlägen der Staatsregierung

Erschienen am:

08.02.2011

  • Beschreibung
Beschreibung

München. „Alles, was die Situation von pflegebedürftigen Menschen und der Pflegepersonen verbessert, hat unsere Zustimmung“, sagte der bayerische Landes- Caritasdirektor Prälat Karl-Heinz Zerrle in München zu den beiden Pflege-Initiativen der Bayerischen Staatsregierung im Januar 2011. Die Einsetzung eines staatlichen Pflegebeauftragten durch Sozialministerin Christine Haderthauer zeige den Willen des Ministeriums, die Pflege zu einem sozialpolitischen Großthema zu machen. Der Vorschlag von Gesundheitsminister Markus Söder, eine Pflegekammer einzurichten könne zur Aufwertung des Pflegeberufs beitragen. Eine Pflegekammer trage durch die Erfassung aller Pflegefachkräfte dazu bei, neue pflegewissenschaftliche Erkenntnisse und Qualitätsansprüche der ganzen Berufsgruppe rasch nahe zu bringen. So könne durch eine Pflegekammer die Qualität der Versorgung der kranken und alten Menschen eine Verbesserung erfahren. Weiterhin bedeute eine Pflegekammer eine staatliche Anerkennung und Legitimierung und dies könnte wiederum die gesellschaftliche Anerkennung des Pflegeberufes positiv verändern. Eine Pflegekammer dürfe aber auf keinen Fall zu mehr Bürokratisierung führen. Allerdings genügten die neuen Vorschläge nicht, um die Pflege in ihrer Gesamtheit nachhaltig zu verbessern. „Wir brauchen ein Gesamtkonzept zur Verbesserung der Pflegebedingungen zu Hause und in den stationären Einrichtungen. Die Probleme sind bekannt, Staat und Kostenträger müssen nun handeln“, betonte der Landes- Caritasdirektor . Die stationäre und ambulante Pflege brauche mehr qualifiziertes und besser bezahltes Personal. Dessen Bezahlung liege allerdings nicht im Ermessen der Heime und Sozialstationen, sondern in der Verantwortung der Kostenträger, also der Bezirke und Kassen. Auch die pflegenden Angehörigen zu Hause bräuchten mehr Hilfe, etwa durch Kurzzeitpflege und finanzielle Unterstützung. Wer seine Angehörigen pflege, dürfe durch die seelische und körperliche Belastung nicht selbst krank werden oder berufliche Nachteile und finanzielle Einbußen erleiden. Auch hier sei zuerst der Staat gefragt. Für nicht zielführend hält die Caritas den jüngsten Vorschlag von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, über den neuen Bundesfreiwilligendienst Männer aus „bildungsfernen Schichten“ an die Pflege heranzuführen. „Wer es bisher in anderen Berufen nicht geschafft hat, ist wohl nicht geeignet für den sensiblen Umgang mit pflegebedürftigen Menschen“, sagte Prälat Zerrle. Für die ambulante Pflege erwartet die Caritas auf der Grundlage der Ergebnisse des dem Transparenzverfahren konstruktive Verhandlungen mit den Kranken-und Pflegekassen, um möglichst bald eine spürbare Verbesserung der sehr schwierigen Situation der ambulanten Kranken- und Altenpflege zu erreichen und damit deren Zukunftsfähigkeit zu sichern. In dem von Wohlfahrtsverbänden und Kassen gemeinsam durchgeführten Transparenzverfahren waren 80 Pflegedienste untersucht worden, um daraus leistungsgerechte Gebühren ableiten zu können. In der stationären Pflege darf, so Prälat Zerrle, nicht an der Fachkraftquote gerüttelt werden, die vorschreibt, dass 50 Prozent der Pflegepersonen Fachkräfte sein müssen. Die Quote dürfe auch nicht aufgeweicht werden, indem man andere Berufe wie Hauswirtschafterinnen oder Familienpflegrinnen als Pflegefachkräfte definiere. Um die Finanzierung der Altenpflegeausbildung weiterhin zu garantieren, solle das Kultusministerium die Kürzung seiner Zuschüsse überdenken. Dringend erforderlich sei auch die Reform der Einnahmeseite der Pflegeversicherung. Den Vorschlag der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, das ganze System zu privatisieren, lehne die Caritas ab. „Die Wirtschaft darf sich nicht aus der solidarischen Finanzierung der Sozialsysteme davonstehlen. Man darf nicht alle sozialen Risiken privatisieren, das würde vor allem die weniger gut situierten Familien überfordern. Ich appelliere hier an die soziale Verantwortung der Wirtschaft“, sagte der Landes- Caritasdirektor . Ob eine nachhaltige Verbesserung der beitragsfinanzierten Pflegeversicherung durch die Ergänzung einer privaten Kapitaldeckung nachhaltig die Probleme lösen könne, sei zweifelhaft. Auch diese Lösung bürde alleine den Versicherten die zusätzliche finanzielle Last auf. Dass der entstehende Kapitalstock auf dem Finanzmarkt angelegt werden müsse, berge große Risiken. „Solange ist die Finanzkrise noch nicht vorbei und so sinnvoll waren die politischen Regulierungen der Finanzmärkte bisher nicht, dass ich da uneingeschränktes Vertrauen habe“, sagte der Landes- Caritasdirektor . Vielleicht sei die Einführung einer Bürgerversicherung genauer zu durchdenken.